Hilfe für den Steinschmätzer

Pflege der Brutplätze in den Weinbergen

Steinschmätzer Männchen. Foto: B. Ort
Steinschmätzer Männchen. Foto: B. Ort

Schon so mancher Spaziergänger mag sich über die aufgeschütteten Steinhaufen, die auf den Ausgleichsflächen zwischen den Weinbergen entlang der B 271 zu finden sind, gewundert haben. Doch die Steine wurden nicht willkürlich dort abgeladen. Es sind die Wohnungen und Kinderstuben des Steinschmätzers.

 

Der Steinschmätzer kommt bei uns insbesondere in Weinbaugebieten vor und nistet dort überwiegend in Trockenmauern, Gabionen und Steinschüttungen, in denen er ausreichend große, von Regen und Wind geschützte Höhlungen zum Brüten nutzt. Ein freier Anflug zum Brutplatz ist notwendige Voraussetzung für die Akzeptanz eines Brutplatzes. Deshalb muss dieser frei von Bewuchs sein. Der Vogel ernährt sich und seinen Nachwuchs überwiegend von Insekten, die er am Boden aufnimmt. Er ist deshalb auf offene Böden angewiesen, die er in den Weinbergen vorfindet.

 

Jedes Jahr Ende März werden die ersten Steinschmätzer in der Vorderpfalz erwartet. Die kleinen, braungrauen Zugvögel überwintern in Afrika und kehren im Frühling zurück in ihre Brutgebiete in Europa. Etwa 110 Brutpaare nisten jährlich in Rheinland-Pfalz, davon ein Großteil in der Vorderpfalz. Der im Europäischen Vogelschutzgebiet Haardtrand liegende Bereich Neuberg/Hochfeld (östlich von Fronhof II in Bad Dürkheim) spielt mit jährlich acht bis zehn Brutpaaren eine tragende Rolle bei der Arterhaltung dieses vom Aussterben bedrohten Vogels.

 

Rechtzeitig vor der Ankunft der ersten Steinschmätzer entfernt der NABU Mittelhaardt im Rahmen einer jährlichen Mitmachaktion störenden Bewuchs an den Gabionen und Steinschüttungen. Dabei werden auch kleine Steine ausgelesen und herabgerollte Steine wieder aufgeschichtet. Um neue Zugänge und Höhlungen zu ermöglichen, werden in die Jahre gekommene Steinschüttungen gegebenenfalls sogar umgeschichtet. Vor einer möglichen Zweitbrut Anfang Juni mähen wir nochmals im Umfeld der Steinschüttungen, sofern sie von Gras überwachsen sind.

 

Weiterhin führen wir in jeder Brutsaison ein Monitoring der Brutbestände durch, beschränken uns dabei aber nicht nur auf die oben beschriebenen, künstlich angelegten Brutplätze in der Nähe B 271, sondern dokumentieren auch weitere Brutvorkommen in den Terassenlagen des Haardtrands zwischen Bad Dürkheim und Königsbach.

Pflegearbeiten der Steinhaufen für den Steinmätzer. Foto: NABU/F. Siemer
Pflegearbeiten der Steinhaufen für den Steinmätzer. Foto: NABU/F. Siemer

Rückblick

Mitte des vorigen Jahrhunderts war der Steinschmätzer in Rheinland-Pfalz noch ein häufiger Brutvogel. Seit den 1980er Jahren gingen die Bestände jedoch dramatisch zurück.

 

Als wesentliche Ursache für den Rückgang in Rheinland-Pfalz wird der Verlust an natürlichen Brutplätzen, z.B. dem Verschwinden von Trockenmauern bei Flurbereinigungen, sowie ein verändertes Bodenmanagement im Weinbau angenommen. 

 

Mit einem Ende der 1990er Jahre gestarteten Pilotprojekt "Hilfe für den Steinschmätzer" entlang der damals neu gebauten B 271 zwischen Bad Dürkheim und Neustadt an der Weinstraße versuchte man dem Bestandsrückgang zumindest in unserer Region entgegenzuwirken. Mit Beteiligung der Oberen Naturschutzbehörde Neustadt und des Straßenbauamts Worms sowie von POLLICHIA und NABU wurden unter der Koordination von G. Sandreuther über 30 Anlagen, davon größtenteils Steinschüttungen auf Ausgleichsflächen, als Kompensation für die durch Flurbereinigungen verloren gegangenen Bruthabitate am Haardtrand angelegt. Vor ca. 15 Jahren hat der NABU Mittelhaardt die alleinige Betreuung und Pflege der Brutanlagen übernommen.

Steinschmätzer Männchen Foto: NABU/B. Ort
Steinschmätzer Männchen Foto: NABU/B. Ort

Die Maßnahmen waren sehr erfolgreich. Schon nach wenigen Jahren war der überwiegende Teil der angelegten Brutanlagen belegt. Allerdings hat die Anzahl der belegten Brutplätze im Laufe der Jahre wieder abgenommen. Seit 2020 sind viele Brutplätze auf den Ausgleichsflächen in der Nähe des Neubaugebiets Fronhof II in Bad Dürkheim wieder verweist.

 

Durch die zunehmende Nutzung der landwirtschaftlichen Wege durch Fußgänger, Hundehalter und Radfahrer, die teilweise die Trampelpfade durch die Ausgleichflächen als Abkürzungen und die Gabionen als Picknickplätze nutzen, werden die Bruten der Steinschmätzer erheblich gestört.

 

Der NABU Mittelhaardt bittet daher alle, die Grünstreifen zwischen den Weinbergen am Neuberg/Hochfeld (östlich von Fronhof II) insbesondere in der Brutzeit zwischen Ende März und Ende Juli nicht zu betreten, um den Steinschmätzern eine ungestörte Brut zu ermöglichen. Während der Brutzeit stellt der NABU Mittelhaardt zur Information seit einigen Jahren an den betroffenen Flächen auch Schilder auf. 

 

2018 und 2019 wurde unter Leitung des NABU Mittelhaardt zusammen mit Ornithologen von POLLICHIA und BUND ein umfassendes Brutmonitoring des Steinschmätzers im gesamten Landkreis Bad Dürkheim und in der Stadt  Neustadt durchgeführt.

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Brutbestände 2018 und 2019.pdf
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